Wegweisende Menschen, Meinungen, Möglichkeiten

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Hier erscheinen Interviews mit wegweisenden Menschen, die zu einer Kultur des Miteinander im Denken, Fühlen und Handeln beitragen. Führungskräfte und Selbständige, Entrepreneure und Startups geben Einblick in die Arbeit des 21. Jahrhunderts. Die Geschichten zeigen, unter welchen Bedingungen sich die Talente und Potentiale von Menschen entfalten. Wir gestalten die Welt, in der wir leben wollen. Lesen Sie mit! Gestalten Sie mit!

Wie wird man Fotojournalist? Einfach machen!

Wer seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie verdienen will – in Zeiten, in denen jeder mit seinem Smartphone fotografieren kann – braucht mehr als Selbstvertrauen. Täglich sind wir von einer Bilderflut umgeben, nicht nur auf Facebook, Pinterest & Co. Der Fotograf Maurice Ressel verfolgt mit seinen Fotos ein Anliegen und das spürt man. Es geht ihm um das Dokumentieren von Lebensbedingungen. Dafür nimmt er einiges auf sich. Lesen Sie, welche Hürden und Herausforderungen es für ihn gab.  

Maurice Ressel, 2014, Philippinen

Maurice Ressel, 2014, Philippinen

Von welchem Beruf haben Sie als Jugendlicher geträumt?

Ich war damals ein absolutes Energiebündel und dachte, dass ich bei der Armee am besten aufgehoben wäre. Der Beruf des Soldaten war für mich der Inbegriff für Nervenkitzel und Spannung. Das machte seine Anziehungskraft für mich aus. In meiner Naivität romantisierte ich diesen Beruf.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Unternehmen zu gründen?

Ich habe eine Ausbildung als Fotograf gemacht und mich anschließend im Jahr 2007 als Werbefotograf selbständig gemacht. 2010 reiste ich als Volontär für die NGO skate-aid nach Afghanistan, um Kindern das Skateboard-Fahren beizubringen. Meine Kamera hatte ich am Hindukusch dabei. Dort entstanden meine ersten fotojournalistischen Arbeiten. Diese Bilder und Erfahrungen veränderten mein Leben. Ich spürte, dass ich mit meiner Fotografie etwas bewegen wollte. Auf den folgenden Reisen nach Afghanistan war ich als Fotograf für skate-aid unterwegs. Ich arbeitete zunehmend für NGOs in Krisengebieten und entdeckte meine Leidenschaft für den Fotojournalismus, mit der ich mich 2012 neu positioniert habe: www.mauriceressel.de.

Angeregt durch meine eigenen Erfahrungen als Fotograf und Volontär habe 2015 das Projekt Volugrapher für Volontäre gegründet: www.volugrapher.com. Der Name setzt sich aus Volunteer und Photographer zusammen. Ich möchte jungen Fotografen ermöglichen, sich in einem mehrmonatigen Volontariat sozial zu engagieren und bei sinnvollen Projekten fotografisch weiterzuentwickeln. Als Kooperationspartner habe ich deutsche NGOs mit nationalen und internationalen Projekten gewonnen.

Warum haben Sie sich selbständig gemacht?

Ich will meine Zeit und Energie mit eigenen Ideen verbringen und mein eigener Chef sein – zumindest soll ich es sich so anfühlen. Dieses Lebensgefühl möchte ich durch Volugrapher mit anderen teilen.

Welche Voraussetzungen haben Sie dafür mitgebracht?

Ich wusste genau, wohin ich meine Energie und Zeit lenken wollte. Neben einer guten fotografischen Ausbildung, einem gewissen Talent und der nötigen Überzeugung, war ich bereit, Erfahrungen zu sammeln und beharrlich mein Ziel zu verfolgen.

Welche neuen Kenntnisse und Fähigkeiten mussten Sie sich aneignen?

Meine fotografischen Fähigkeiten habe ich in der Selbständigkeit ständig weiterentwickelt. Was ich mir neu aneignen musste, war Selbstmarketing in den sozialen Medien. Aber im Grunde ist alles pures „learning by doing“.

Was ist das Besondere an den Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten?

Ich stürze mich in eine Situation hinein und versuche ein Teil davon zu werden.
Ich glaube, dass meine Bilder deshalb so lebendig wirken. Vielleicht ist das Besondere die gelebte Verbindung von sozialem Engagement und Fotografie.

Was war die größte Hürde am Anfang und wie haben Sie sie bewältigt?

Der Anfang war schwer. Da fehlten noch die passenden Bilder im Portfolio und die Referenzkunden. Das Vertrauen der Kunden zu gewinnen war nicht ganz einfach. Meine Dienstleistung zu verkaufen, fiel mir anfangs auch nicht leicht. Das musste ich erst einmal lernen. Aber mit der Zeit habe ich mir ein gutes Portfolio aufgebaut. Je mehr Aufträge man hat, umso leichter wird es. Deshalb habe ich zu Beginn Jobs fingiert und diese Arbeiten in mein Portfolio aufgenommen. Ich habe mir einfach gedacht: wenn gerade nichts weitergeht, muss man pfiffige Lösungen finden – und die gibt es immer!

Was waren für Sie die größten Herausforderungen seit der Gründung?

2012 bin ich von Münster nach Berlin gezogen. Das war eine Herausforderung, da ich meine Kunden in Münster nicht verlieren wollte. Am Anfang bin ich oft hin- und hergependelt zwischen Münster und Berlin. Doch mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass Berlin mich weiterbringen würde. Und so war es.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Ich arbeite hauptsächlich über Kaltakquise: Anrufen, Termin vereinbaren, erscheinen und möglichst einen guten Eindruck machen ;-).

Welche drei Tipps geben Sie Gründern aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen?

1. Absolute Zuverlässigkeit, beste Qualität und ein guter Service sind Grundvoraussetzungen des Erfolgs.
2. Außerdem spielt die Kommunikation nach außen eine immense Rolle. Eine klar strukturierte Webseite mit gutem Inhalt ist das A und O. Wer dann noch die sozialen Medien regelmäßig nutzt, hat eine gute Basis für Bekanntheit und Erfolg.
3. Und vor allem sollte einem die eigene Arbeit Spaß machen, denn dann steht man auch so manche Durststrecke durch!

Wie definieren Sie für sich Erfolg?

Mit fotografischen Arbeiten ein positives Umdenken zu bewirken.

Indien 2015, Fotograf: Maurice Ressel

Indien 2015, Fotograf: Maurice Ressel

Verraten Sie drei Geheimnisse, die zu Ihrem Erfolg beitragen.

Zuverlässigkeit, Hingabe, Aufmerksamkeit.

Was ist Ihr nächstes Ziel für Ihr Unternehmen?

Ich versuche gerade bei den großen deutschen Bildredaktionen und NGOs Gehör zu finden. Für das Volontärsprojekt professionalisiere ich die Internetseite und akquiriere weitere Kooperationspartner und Sponsoren.

Wie sieht für Sie eine 100%ig erfüllende Arbeit aus?

Sich in seiner Arbeiter selber wiederzufinden und mit ihr glücklich zu sein.

Was fehlt Ihnen noch, um diesen Zustand zu erreichen?

Gelassenheit und Ruhe. Kunden und Erfolg kommen schon. Aber ich mache mir teilweise einfach selbst ziemlich viel Druck. Vielleicht ist das eine wichtige Antriebsfeder. Aber ich hoffe, mit der Zeit eine gute Balance zu finden.

Gibt es ein Buch, das Sie Gründern empfehlen können?

Ich finde die Ideen und die Umsetzungen von Muhammad Yunus faszinierend. Er hat mehrere Bücher zum „Social Business“ verfasst. Außerdem empfehle ich das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben von Sogyal Ringpoche. Das hat zwar nichts mit dem Business zu tun, aber damit, wie wir leben wollen angesichts der eigenen Sterblichkeit.

Wie alt waren Sie, als Sie gegründet haben?

Mit 26 habe ich mich in Münster als Fotograf selbstständig gemacht. Mit 31 änderte ich meine Unternehmenskommunikation in Richtung Reportage und Fotojournalismus und gründete das gemeinnützige Projekt Volugrapher.

Welche Frage habe ich nicht gestellt, die Ihnen wichtig ist?

Vielen Dank für die Möglichkeit zu diesem Interview! Sie interessiert, wie Menschen ihre Arbeit so gestalten, dass sie als erfüllend und beglückend erlebt wird. Mein ganz persönlicher Schlüssel dazu ist, sich der Sinnhaftigkeit des eignen Handels bewusst zu werden: die Selbständigkeit nicht primär wegen des Geldes, sondern wegen der Idee zu wagen.

 

Neustart in die Selbständigkeit mit 50

Schleyer_Blog_SNominierte beim Gründerpreis der Schwäbischen Zeitung, Susanne Schleyer v.r.

50 ist für viele Menschen ein magisches Alter. Die geburtenstärksten Jahrgänge des 20. Jahrhunderts feiern gerade durch. 50 ist ein Alter, da wird Bilanz gezogen. Was hat man erreicht? Wo steht man? Was geht noch? Das älter werden hinterlässt erste Spuren. Das Thema Gesundheit gewinnt an Bedeutung. Wer jetzt arbeitslos wird, hat häufig den Eindruck, vor einem Abgrund zu stehen. Hier die Konkurrenz mit den Jüngeren, da die Herausforderungen einer sich rasant verändernden Welt, dazwischen ein Leben voller Erfahrungen. Susanne Schleyer war 50, als sie sich entschloss, sich selbständig zu machen, um Hartz IV zu entkommen. Sie hat die Herausforderung angenommen und sich bei einer Berg- und Talfahrt neu kennengelernt.

Von welchem Beruf haben Sie als Jugendliche geträumt?

Als Jugendliche wollte ich Tierärztin werden. Der Umgang mit Tieren hat mir Freude bereitet und ich war immer sofort zur Stelle, wenn der Tierarzt auf den Pferdehof kam. Ich habe auch eine Ausbildung als Tierarzthelferin gemacht, später mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt und dann ein paar Semester Medizin studiert. Da ich meine Tochter allein erzogen habe, habe ich das Studium aufgegeben und verschiedene Jobs in der telefonischen Kundenbetreuung übernommen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Unternehmen „Telefonmarketing Susanne Schleyer“ zu gründen?

Nachdem ich in Bayern meinen Job verloren hatte, bin ich 2009 nach Baden-Württemberg gezogen, ins Land mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. Ich hoffte, bald wieder einen Job zu finden. Das war aber nicht der Fall. Deshalb habe ich mich 2010 im Direktvertrieb selbständig gemacht. Damit bin ich gescheitert und war plötzlich Hartz IV-Empfängerin. Das war im ersten Moment ein totaler Schock. Aber ich hatte Glück im Unglück. Unterstützt durch Menschen, die mir sehr nah stehen, wagte ich einen zweiten Anlauf in die Selbständigkeit. Ich wusste, was ich nicht wollte: Hartz IV. Mein Unternehmen Telefonmarketing Schleyer ist sozusagen „aus der Not geboren“. Die Kraft dafür hat mir ein einwöchiges Coaching gegeben. Mitte 2012 konnte ich aus Hartz IV aussteigen und von meiner Selbständigkeit leben. Seitdem telefoniere ich für die unterschiedlichsten Unternehmen im B2B-Bereich –  von A wie Architekt bis Z wie Zahnarzt.

Welche Voraussetzungen haben Sie dafür mitgebracht?

Durch die Jobberei in Verlagen und Telekommunikationsunternehmen hatte ich 30 Jahre Erfahrungen im Vertrieb.

Welche neuen Kenntnisse und Fähigkeiten mussten Sie sich aneignen?

Den Mut einmal etwas anderes als das Übliche auszuprobieren, nämlich telefonische Kaltakquise bei potentiellen Kunden meiner Kunden. Mein extrovertiertes Temperament kam mir dabei zugute.

Was ist das Besondere an den Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten?

Ich biete „Kundengewinnung“ an: kompetent und persönlich.

Welche Nische besetzen Sie?

Wo Zeit oder Mut fehlen, bin ich zur Stelle. Vielen Unternehmen fehlt die Zeit für die Neukundengewinnung. Andere scheuen die Selbstdarstellung bei der Telefonakquise.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Meine Kunden bekomme ich zu 99% über Xing, ohne groß Werbung zu machen. Ich verkaufe nicht aktiv am Telefon, sondern mache meine Kunden „bekannt“. Dadurch entsteht Neugeschäft. 2014 war ich für den Gründerpreis der schwäbischen Zeitung nominiert. Dadurch hatte ich große Presseaufmerksamkeit. Das hat mir neue Kontakte gebracht. Netzwerken ist das A und O in der Selbständigkeit, deshalb gehe ich gerne zu Netzwerktreffen.

Was war die größte Hürde am Anfang und wie haben Sie sie bewältigt?

Ich hatte Angst vor dem Scheitern. Die Ermutigungen meiner engsten Freunde und meiner Tochter haben mir sehr geholfen. Auch mein Glaube hat mir Kraft geschenkt.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen seit der Gründung?

Der Existenzangst zu begegnen, wenn das Geschäft nicht so gut lief, und sie auszuhalten. Eine Gründung ist am Anfang wie eine Berg- und Talfahrt mit zahlreichen Höhen und Tiefen.

Welche drei Tipps geben Sie Gründern aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen?

  1. Churchill hat einmal gesagt: „Nie, nie aufgeben!“ –  egal wie der Laden läuft!
  2. Netzwerken, netzwerken, netzwerken! Das heißt Schulungen und Trainings besuchen, beispielsweise bei der IHK, sich Gründerstammtischen anschließen, in Xing-Gruppen aktiv sein, Kontakte knüpfen, wo man geht und steht.
  3. Offen sein für Persönlichkeitsentwicklung und Horizonterweiterung.

Wie definieren Sie für sich Erfolg?

Wenn das, was ich tue, wirklich funktioniert!

Verraten Sie drei Geheimnisse, die zu Ihrem Erfolg beitragen.

1. Freunde, die mich seit der Gründung immer wieder ermutigen, neue Schritte zu wagen und regelmäßig Coaching in Anspruch zu nehmen.

2. Kenntnisse und Kompetenzen aus 30 Jahren der unterschiedlichsten Berufsbereiche.

3. Rhetorische Fähigkeiten beim Telefonieren.

Was ist Ihr nächstes Ziel für Ihr Unternehmen?

Meine Potentiale weiter zu entfalten, neue Vertriebsbereiche zu erschließen und vielleicht sogar Mitarbeiter einzustellen.

Wie sieht für Sie eine 100%ig erfüllende Arbeit aus?

Wenn das, was ich tue, einem anderen nützt und uns beiden Freude bereitet. Die eigenen Potentiale zu entdecken und zu entfalten, erlebe ich als sehr erfüllend.

Gibt es ein Buch, das Sie Gründern empfehlen können?

Raus aus der Komfortzone, rein in den Erfolg von Sabine Asgodom und Die Kunst des Feuermachens. Motiviert leben, unternehmerisch denken, tatkräftig handeln von Lutz Langhoff.

Welchen Vorteil hat es, wenn man mit 50 gründet?

30 Jahre Kompetenzentwicklung im Angestelltenverhältnis kann ich jetzt endlich in der Entfaltung ausleben und dadurch mein eigenes Unternehmensprofil entwickeln.  Es ist für mich ein großes Geschenk, dass ich in meinem Alter noch einmal so erfolgreich geworden bin. Der Aufbau der Selbständigkeit war zeitweise von großen Anspannungen überschattet, vor allem in finanzieller Hinsicht. Rückblickend möchte ich die Erfahrungen nicht missen und bin froh, dass sie sich ausgezahlt haben.

www.telefonmarketing-schleyer.de

Tandemploy: Arbeit, die zum Leben passt

 

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Foto: Christian Stumpp

Wie gut können Sie Arbeit und alles andere im Leben miteinander verbinden? Wie viel Zeit bleibt Ihnen für Ihre Familie, Ihre Freunde, Ihre Freizeit und Projekte? Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Stelle mit jemandem zu teilen? Anna Kaiser und Jana Tepe haben die Jobsharing-Plattform Tandemploy gegründet und engagieren sich für eine Arbeit, die zum Leben passt.

Von welchem Beruf haben Sie als Jugendliche geträumt? Was hat diesen Beruf für Sie attraktiv gemacht?

Anna: Millionärin (kein Scherz, ich wusste, dass ich für meine Pläne und Projekte viel Geld brauchen werde).

Jana: Ich wollte Journalistin werden oder in der Werbung arbeiten. Ich habe schon damals gerne geschrieben und kreativ gearbeitet.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Unternehmen zu gründen?

Jana: Die Idee zu Tandemploy kam uns in unserem letzten Job, in dem Anna und ich uns auch kennengelernt haben. Wir beide haben als Personalberaterinnen für die Digitalwirtschaft gearbeitet und hatten eines Tages eine Tandem-Bewerbung auf dem Tisch liegen: Zwei Menschen bewarben sich gemeinsam auf eine Vollzeitstelle. Nach dem Skype-Interview mit den beiden Bewerberinnen war ich so begeistert von der Idee des Jobsharing, dass ich Anna davon erzählte. Die Idee zu Tandemploy entstand – und zwei Monate später starteten wir mit der Umsetzung.

Warum haben Sie sich selbständig gemacht?

Anna: Ich habe schon vor Tandemploy und während meines Studiums mehrere Unternehmen (mit)gegründet. Meine Anstellung als Personalberaterin war quasi nur ein kleiner Abstecher. Ich hatte also schon eine gewisse Affinität zum Selbstständig sein – und dann kam die gute Idee :-).

Jana: Die Idee war da, wir waren beide Feuer und Flamme – und haben einfach angefangen.

Welche Voraussetzungen haben Sie dafür mitgebracht?

Jana: Wir beide haben unsere Erfahrungen aus der Personalberatung mit eingebracht, außerdem wohl ein Gespür für Trends, die sich in der digitalen Wirtschaft immer etwas eher abzeichnen. Ich habe mich vorher bereits acht Jahre an der Schnittstelle von HR und Marketing bewegt, Kommunikationswissenschaft mit Fokus auf Neue Medien und BWL studiert.

Anna: Ich hatte dazu noch meine vorherigen Gründungserfahrungen, die auf jeden Fall wertvoll waren. Und was wir beide mitgebracht haben, waren eine generelle Offenheit gegenüber Neuem und eine gehörige Portion Optimismus und Tatendrang.

Welche neuen Kenntnisse und Fähigkeiten mussten Sie sich aneignen?

Jana: Wir mussten uns vor allem in viele neue Themen hineindenken und uns Wissen aneignen in Feldern, in denen wir vorher wenig bis keine Ahnung hatten. Einen Businessplan schreiben, Investoren suchen, eine Crowdfunding-Kampagne durchführen, Vorträge vor mehreren hunderten Leuten halten oder Fernsehinterviews geben – all das hatten wir vorher noch nie gemacht. Aber genau das finde ich so schön:  Wir verlassen eigentlich fast täglich unsere Komfortzone – und erleben dadurch so wahnsinnig tolle Dinge.

Anna: Damit wir diese tollen Dinge nicht vergessen, sammeln wir sie in einer Box :-). Wir schreiben alles auf, was uns Tolles passiert. Ansonsten geht das auch schnell mal unter, weil sich ständig die Ereignisse überschlagen. Ganz viel ist bei uns tatsächlich „Learning-by-Doing“. „Einfach machen“ kann man wohl als unser Motto bezeichnen, wir beide priorisieren und entscheiden sehr schnell, anders würden wir mit den Entwicklungen auch kaum Schritt halten können. Außerdem haben wir zwei großartige Business Angels und einen tollen erfahrenen Beirat: von diesen Menschen lernen wir viel und können sie jederzeit zu Rate ziehen – manchmal muss man auch nur wissen, wen man fragen muss.

Was ist das Besondere an den Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten?

Jana: Wir haben mit Tandemploy die weltweit erste Online-Plattform für Jobsharing entwickelt. Damit machen wir Jobsharing für Menschen und Unternehmen einfach umsetzbar. Vorher war es ein Zufallsprodukt, durch uns wird es zu einer konkreten Lösung für viele Herausforderungen, vor denen Menschen und Organisationen heute stehen. Für Menschen bietet Jobsharing die Möglichkeit, den eigenen qualifizierten Wunschjob in Teilzeit zu realisieren, mit einem Sparringspartner an der Seite. Für Unternehmen bietet Jobsharing ganz pragmatische Lösungen für Fachkräftemangel, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Frauenquote, Nachfolgeplanung, steigende Burnout-Raten und und und.

Welche Nische besetzen Sie?

Anna: Die Jobsharing-Nische – einen Full-Service-Anbieter für Jobsharing gab’s vor uns nicht.

Was war die größte Hürde am Anfang und wie haben Sie sie bewältigt?

Jana: Zu Beginn war es für uns das Wichtigste, eine Finanzierung für die Startphase zu sichern. Anders hätten wir Tandemploy nicht realisieren können. In den ersten Wochen haben wir also unseren Businessplan geschrieben und uns für das EXIST-Gründerstipendium beworben, das uns für ein Jahr absichern würde. Nach drei Monaten wussten wir, dass es geklappt hat. Das war eine großartige Chance: ein  Jahr geschenkte Zeit, um unsere Vision und Idee voranzutreiben.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen seit der Gründung?

Anna: Erste Unternehmenskunden zu gewinnen, denn (fast) niemand will gerne der Erste sein.  Und immer wieder die Finanzierung zu sichern, denn unser Thema braucht Zeit und Reichweite.

Jana: Jobsharing so zu kommunizieren, dass die Hürden in den Köpfen abgebaut werden.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Anna: Vorrangig über Veranstaltungen, Vorträge, Workshops, Kontakte und Empfehlungen und natürlich übers Marketing. Mittlerweile kommen Unternehmen auch auf uns zu, weil sie in der Presse von uns erfahren haben und dabei sein wollen bei dieser Jobsharing-Bewegung. Das ist natürlich besonders schön. Unternehmen, die wir unbedingt dabei haben wollen, sprechen wir aber auch direkt an.

Welche drei Tipps geben Sie Gründern aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen?

Jana: Die große Vision im Blick behalten, auf dem Weg dahin flexibel bleiben & immer einmal mehr wieder aufstehen.

Anna: Mut, Herz und offenes Denken, frei nach Arno Grün. Das gilt aber eigentlich nicht nur für Gründer, sondern für alle Menschen.

Wie definieren Sie für sich Erfolg?

Jana: Für mich ist Erfolg, etwas zu tun, was man gerne tut und was noch dazu Sinn stiftet für sich selber und andere.

Anna: Das könnte ich nicht schöner sagen.

Verraten Sie drei Geheimnisse, die zu Ihrem Erfolg beitragen.

Jana: Wir erzählen eine Geschichte, die den Zeitgeist trifft. Wir zeigen eine konkrete Lösung, wo es sonst zwar viele Probleme aber kaum gute Antworten gibt. Und wir entwickeln unser Produkt gemeinsam mit den Menschen und Unternehmen, die wir ansprechen möchten.

Was ist Ihr nächstes Ziel für Ihr Unternehmen?

Anna: Alle Menschen und Unternehmen, die von Jobsharing profitieren können, sollen davon erfahren….

Jana: …. und für die Umsetzung zu uns kommen :-).

Wie sieht für Sie eine 100%ig erfüllende Arbeit aus?

Jana: Was ich gerade tue, ist für mich 100% erfüllend.

Anna: Das kann ich so unterschreiben.

Gibt es ein Buch, das Sie Gründern empfehlen können?

Jana:  „Rework“ von Jason Fried und David Heinemeier.

Anna:  „Wider den Gehorsam“ von Arno Grün.

Wie alt waren Sie, als Sie gegründet haben?

Jana: 26.

Anna: 29.

Welche Frage habe ich nicht gestellt, die Ihnen wichtig ist?

Jana: Die nach unserer Vision :-). Wir träumen von einer Welt, in der Menschen mit weniger – aber cleverer!  – Arbeit mehr erreichen. Durch solche eine lebensfreundlichere Arbeitswelt gewinnen letztlich alle: die Menschen, die Unternehmen, unsere Wirtschaft und unsere ganze Gesellschaft.

www.tandemploy.com

https://www.youtube.com/watch?v=nhM2IFvRDKM

Die Glücksküche „Happy Cheeze“

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Dr. Mudar Mannah (41) lebt nach einem bewegten Leben mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Tochter in Cuxhaven. Er hat als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie gearbeitet, bevor er seine Festanstellung aufgegeben hat, um sich voll und ganz auf „Happy Cheeze“ zu konzentrieren und rohe und vegane Köstlichkeiten auf den Markt zu bringen.

Von welchem Beruf haben Sie als Jugendlicher geträumt?

Eigentlich wollte ich Koch werden … und Abenteurer. Aber dann bin ich Arzt geworden.

Weshalb sind Sie nicht Ihrem Traum gefolgt?

In einer Arztfamilie geboren lag es zunächst einmal nahe, Medizin zu studieren, auch wenn es nicht 100% das war, was ich machen wollte. Ich habe angefangen und es dann durchgezogen. Damit war ich in der Mühle drin mit allem, was dazu gehört: Physikum, Staatsexamina, Doktorarbeit. Nachdem ich das alles auf mich genommen hatte, fing ich 2004 an als Arzt zu arbeiten. Darauf folgte der Facharzt und die Mühle ging immer weiter. .Ich war in dem Acht-Stunden Tag gefangen und hatte kaum noch Zeit, über ein anderes Leben nachzudenken. 2007 habe ich dann von einem Tag auf den anderen gekündigt. Das hat kaum jemand verstanden, am wenigsten mein Chef. Da kam der Traum vom Abenteurer wieder durch. Ich habe alles verkauft und bin aufgebrochen. Eigentlich wollte ich in Australien arbeiten. Aber ich habe es nur bis Myanmar geschafft (lacht), wo ich meine Frau nicht nur kennen, sondern lieben gelernt habe. Das war 2008. Kurze Zeit später kam unsere Tochter auf die Welt und Berlin schien für uns ein guter Ort zu sein, um unsere Familie zu gründen (was übrigens ein eigenes kleines Startup für sich war). Eine Zeitlang haben wir von Elterngeld und Ersparnissen gelebt. Dann fanden wir beide Arbeit in Teilzeit, was uns wiederum Zeit für die Familie und für Ideen zur Selbständigkeit gab. Der definitive Startschuss fiel jedoch mit einer 3-monatigen Reise nach Asien und Australien kurz nach der Geburt unseres zweiten Kindes im Jahr 2010. Gemeinsam mit einem Partner in Kenia wollten wir Spirulina, das ist ein Nahrungsergänzungsmittel aus Blaualgen, in Großpackungen verkaufen und ein soziales Projekt in Afrika auf die Beine stellen. Die Startfinanzierung sicherte der Gründerzuschuss ab. Doch dann sprang unser kenianischer Partner ab und wir legten das Projekt auf Eis. Parallel dazu stellte ich selbst meine Ernährung um und entwickelte meine vegane Käsealternative aus Cashewkernen. Freunde und Bekannte waren davon so begeistert, dass ich daraus eine Geschäftsidee machte. Doch so schnell ging es leider nicht, so dass ich wieder als Arzt arbeitete – diesmal aufgrund eines guten Angebots einer Cuxhavener Klinik so dass ich Happy Cheeze nur langsam aufbauen konnte. Und weil es an der Nordsee so schön ist, sind wir nun immer noch in Cuxhaven.

Weshalb waren Sie mit dem Arztberuf nicht richtig glücklich?

Ich war zunehmend unzufrieden mit dem System, in dem ich arbeitete. Mir war eine Stelle als Oberarzt versprochen worden, die ich nicht bekam, weil alle wussten, dass ich nicht ausschließlich als Arzt arbeiten wollte, sondern nebenher noch andere Projekte verfolgte. Ich hätte mir eine Teilzeitstelle gewünscht, um Zeit für die Familie und eigene Projekte wie Happy Cheeze zu haben. Doch das Krankenhaus-System hat das ebenso wenig zugelassen wie die Kollegen, die sich dagegen wehrten. Mit dem Argument: „Warum du und nicht wir?“ anstelle von gegenseitiger Unterstützung gab es Eifersüchteleien. Deshalb habe ich gekündigt und mir ein Jahr Zeit gegeben, um meinen veganen „Käse“ auf den Markt zu bringen. Das Jahr ist um. Es läuft zwar noch nicht 100%ig, aber ich habe den Umsatz innerhalb eines Jahres verzehnfacht und Gewinn gemacht.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Happy Cheeze zu gründen?

Ich liebe das Essen dieser Welt. Da ich viel herum gekommen bin, habe ich immer neue Gerichte, Lebensmittel und Zubereitungsformen kennengelernt. Parallel dazu begann ich meine Ernährung umzustellen. Vegetarier bin ich schon seit meinem fünfzehnten Lebensjahr. Schritt für Schritt begann ich alle tierischen Produkte wegzulassen, einfach weil es mir besser bekommt. Auf der Suche nach einem Ersatz für Käse, bin ich über ein spannendes Rezept für eine Käsealternative aus Cashewkernen gestolpert, das ich über die Jahre hinweg verfeinert und veredelt habe. So entstand „Happy Cheeze“. Es war auch der enorme Zuspruch, der mich ermutigt hat, 2013 meinen Beruf als Arzt zu kündigen und mich ganz auf das Abenteuer „Happy Cheeze“ einzulassen.

Welche Voraussetzungen haben Sie dafür mitgebracht?

Geduld, die Liebe zum Detail und einen guten Sinn für die Kombination von Aromen.

Welche neuen Kenntnisse mussten Sie sich noch aneignen?

Das Meiste: Produktionsabläufe, Kenntnisse in der Lebensmittelherstellung, Buchhaltung, Marketing und Vertrieb.

Was ist das Besondere an den Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten?

Happy Cheeze ist in Deutschland bisher (noch) einzigartig. Diese Käsealternative ist nicht nur gesund und schmackhaft (auch für Omnivore), sondern „schließt auch das Glück aller Lebewesen mit ein“, wie wir gerne sagen. Denn vielleicht schafft mein Produkt auch etwas Bewusstsein dafür, dass Käse nicht immer von Tieren stammen muss, die ihre Milch wohl eher selten lieber Maschinen als ihren Kälbern überlassen. Das ist mir wichtig: Als Arzt und Mensch Gutes in die Welt hinein zu geben, ohne andere dabei zu verletzen. Einer meiner Kunden sagte: „Happy-Cheeze ist mit Abstand der beste vegane Käse! Dagegen schmecken andere vegane Käse-Alternativen echt nur wie Plastik. Habe heute den ‚Macadamia wie Ziegenkäse‘ gekostet. Unfassbar gut!“

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Welche Nische besetzen Sie?

Vegane Lebensmittel, insbesondere gesunde natürliche Käsealternativen ohne Chemie wie Cashew-„Käse“, gesunde Knabbereien aus Wirsing und Grünkohl oder auch Rohkost-Cräcker. Also: Happy Cheeze, Happy Chips und Happy Cracker.
Was waren für Sie am Anfang die größten Hürden?
Den Mut zu finden, aus den bestehenden Konventionen auszubrechen. Hier half es mir damals, in Berlin gewohnt zu haben. Ich war öfter im Labor für Entrepreneurship von Professor Faltin. Dort stellen Gründer ihre Ideen und Projekte vor. Das hat mir Mut gemacht und mich inspiriert, weiter zu machen. Weitere Hürden waren die Qualitätssicherung meiner Produkte.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell?

Im Augenblick beschäftigt mich die Skalierung der Produktion für größere Mengen ohne Qualitätsverlust. Die Nachfrage ist so groß, dass ich als Einzelner mit der Produktion nicht mehr nachkomme. Ich möchte mich mit meiner „Glücksküche“ vergrößern – also eine komplett neue Produktionsstätte aufbauen. Nachdem ich die Anfangsinvestitionen aus eigener Kraft gestemmt habe, suche ich nun nach Investoren.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Für aktives Marketing habe ich bisher noch kein Geld ausgegeben. Meine Kunden erfahren vor allem über Mund-zu-Mund Propaganda von meinen Produkten. Facebook ist auch ein wichtiges Medium geworden. Die Filmbeiträge im NDR haben einiges bewirkt, u.a. die Nachfrage so angekurbelt, dass ich kaum noch hinterherkomme.

Welche drei Tipps geben Sie Gründern aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen?

1. Steh hinter dem, was du tust, ohne andere missionieren zu wollen und ohne dir selbst im Weg zu stehen.
2. Bewahre deine Gelassenheit, auch bei Misserfolgen. Meist bringen gerade diese dich weiter.
3. Verliere dich nicht in Deinen Projekten. Schaffe Ausgleich, behalte die Balance und wage zur Not rechtzeitig den Absprung.

Wie definieren Sie für sich Erfolg?

Glücksgefühl pro Augenblick + Gleichmut = Wissen um Vergänglichkeit.

Verraten Sie drei Geheimnisse, die zu Ihrem Erfolg beitragen.

1. Nicht zu verletzen.
2. Nicht zu stehlen.
3. Nicht zu lügen.

Was ist Ihr nächstes Ziel für Ihr Unternehmen?

Weltherrschaft veganer Käse ;-). Spaß beiseite… Ich würde gerne mit meiner „Glücksküche“ die Produktion vergrößern und nachhaltig Gewinne erzielen.

Wie sieht für Sie eine 100%ig erfüllende Arbeit aus?

Das ist eine Arbeit, bei der ich Selbstverantwortung trage, Freiräume für Kreativität habe und in Kontakt mit authentischen Menschen bin.

Was fehlt Ihnen noch, um diesen Zustand zu erreichen?

Gelassenheit und Balance.

Was sind für Sie die schönen Seiten der Selbständigkeit?

Als Angestellter konnte ich nicht kreativ sein. Als Selbständiger bin ich mein eigener Herr und weiß, wofür ich das alles mache. Anfangs habe ich viel Zeit damit vertan, Ängste zu haben. Heute habe ich mehr Vertrauen, dass sich die Dinge fügen. Als mein Arbeitslosengeld ausgegangen ist, habe ich einen Teilzeitjob in Hamburg bekommen. Jetzt arbeite ich zwei Tage in der Woche als Arzt, womit ich die nötige finanzielle Sicherheit habe, um das Unternehmen weiter auszubauen. Der Chefarzt lebt selbst vegan und unterstützt mich durch die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten. Ich habe gelernt, dass es am besten ist, wenn man keinen Druck ausübt, sondern darauf vertraut, dass sich die Dinge ergeben. Meine Vision ist eine Vier-Stunden-Woche und ich hoffe, dass ich das irgendwann umsetzen werde.

Gibt es ein Buch, das Sie Gründern empfehlen können?

Viele: Ihr Buch Werde, was du kannst! Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird zum Beispiel, Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin, den Klassiker von Tim Ferris 4-Stunden Woche, Lean Startup von Eric Ries, Der blaue Ozean von W. Chan Kim oder auch Business Modell Canvas von Alexander Osterwalder.

Welche Frage habe ich nicht gestellt, die Ihnen wichtig ist?

Es ist nicht immer einfach, seinen „Herzensweg“ zu gehen. Häufig stehen einem eigene Zweifel im Weg, dazu kommt die Skepsis der Umwelt, häufig sogar naher Freunde oder der Familie. Das auszuhalten und trotzdem seinen Weg zu gehen, erfordert Mut. Deshalb sage ich aus eigener Erfahrung: Wage es, quer zu denken, immer wieder neue Perspektiven einzunehmen und dich manchmal auch rückwärts zu bewegen. Vor allem aber: Glaube an dich, dann wird alles, was du machst, für dich hilfreich sein.

 

www.happy-cheeze.com

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